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Social Freezing

Kinderwunsch München
Social Freezing

Social Freezing beschreibt die Möglichkeit, Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen, unabhängig von der aktuellen Familienplanung, zu entnehmen und einzufrieren, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zur Erfüllung des Kinderwunsches zu verwenden. In den letzten Jahren ist eine deutlich steigende Nachfrage nach dieser Technik zu verzeichnen. Anders als in der verzerrten Berichterstattung in manchen Medien handelt es sich in erster Linie um Frauen, die noch nicht den richtigen Lebenspartner gefunden haben und in Kenntnis der biologischen Alterungsprozesse eine Eizellreserve anlegen möchten.

Die Vitrifikation ermöglicht Frauen die Anlage einer Fruchtbarkeitsreserve, wenn die Verwirklichung des Kinderwunsches erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist.

Für die Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen eignet sich das ultraschnelle Einfrieren (Vitrifikation) besonders gut. Im Gegensatz zur herkömmlichen Technik des langsamen Einfrierens entstehen keine Eiskristalle.

Medizinische Gründe, aus denen Eizellen eingefroren werden, sind dagegen der drohende Verlust der Eizellreserve durch Tumorbehandlungen (Chemotherapie, Strahlentherapie) oder bei gynäkologischen Erkrankungen wie Endometriose und frühzeitig verminderter Eierstockreserve. Eine klare Grenzziehung zwischen medizinischen oder nicht-medizinischen Gründen ist somit schwierig.

Eine Verminderung der Fruchtbarkeit ist bereits ab dem 30. Lebensjahr einer Frau erkennbar und beschleunigt sich ab dem 35. Lebensjahr weiter. Dies zeigt sich an der abnehmenden Chance für eine spontane Schwangerschaft pro Zyklus. Ursächlich sind die Verminderung der Eierstockreserve und vor allem zunehmende genetische Fehler der Eizellen. Frauen im Alter von 40 Jahren haben nur noch eine Chance auf eine natürliche Schwangerschaft pro Zyklus von 5% und zusätzlich steigen auch die genetischen Risiken (z.B. Trisomie 21) oder auch die Rate der Fehlgeburten.

Die mit dem Begriff Social freezing gemeinte Erhaltung bzw. Verlängerung und Verlagerung der fruchtbaren Jahre in spätere Lebensabschnitte ist im Übrigen nicht so neu, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird. In unserem Zentrum praktizieren wir das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen für eine spätere Kinderwunschbehandlung bereits seit 1997 und haben dies bereits mehrfach veröffentlicht
(z.B. M. Schleyer , W. Würfel, G. Krüsmann, K. Fiedler et al; J Fertil Reprod 2005; 15(2):7-11).

Die Etablierung der Vitrifikation erlaubt zuverlässige Auftauraten von ca. 88% und Befruchtungsraten von ca. 74% (Potdar et al., 2014). Daraus resultieren je nach Alter der Frau beim Einfrieren Schwangerschaftschancen pro Eizelle von ca. 7%.

Die individuelle Aufklärung über die Erfolgsaussichten spielt für uns eine große Rolle. Diese können anhand des individuellen Wertes für das Hormon AMH und aus der Follikelreserve im Ultraschall (AFC) abgeschätzt werden.

Wenn eine Frau im Alter von 30-34 Jahren 15 Eizellen einfriert, wird sie mit einer ca. 70%igen Wahrscheinlichkeit mit diesen Zellen mindestens ein Kind bekommen (Doyle et al. 2016). Diese Eizellanzahl wird in dieser Altersgruppe oft im Rahmen einer einzigen Behandlung erreicht.

Der Behandlungsablauf ist zum großen Teil identisch mit der Durchführung einer künstlichen Befruchtung (IVF/ICSI), wie sie seit mehr als vier Jahrzehnten angewendet wird.

Zunächst erfolgt die ovarielle Stimulationsbehandlung mit follikelstimulierendem Hormon (FSH) und die Eizellentnahme unter Ultraschallkontrolle in Kurznarkose.

Die Behandlung erfolgt im sogenannten Antagonistenprotokoll („kurzes Protokoll“) und beginnt am 2. oder 3. Tag der Regelblutung. In der Regel setzen wir ein Depot- Präparat ein, das nach einmaliger Gabe eine Wirkdauer von ca. 7 Tagen hat. Dadurch entfallen zum Großteil die sonst notwendigen täglichen Spritzen. Auf Wunsch kann der Beginn der Blutung ohne Qualitätsverlust durch die Anwendung natürlicher Hormone beeinflusst werden. Dies ermöglicht eine höhere Terminsicherheit. Durch den Wegfall des Embryotransfers ist regelmäßig die Einleitung des Eisprungs durch einen kurz wirksamen GnRH-Agonisten möglich, der das körpereigene Hormon LH freisetzt und für die letzten Reifungsschritte des Follikels nutzt. Hierdurch wird auch das Auftreten des ovariellen Überstimulationssyndroms zur Rarität. Innerhalb einer Woche nach der Eizellentnahme sind die entstandenen Gelbkörper bereits zurückgebildet und die beginnende Regelblutung markiert den Abschluss der Social Freezing-Behandlung. Auch die Kosten der Behandlung, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden, können mit diesem Protokoll relativ niedrig gehalten werden.

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